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St. Gangolf - Das Wahrzeichen der Stadt - Der Stadttürmer"Besuch beim Stadttürmer von Hollfeld Was der uralte St. Gangolfsturm zu erzählen weiß. (ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1937) Hoch über der Stadt Hollfeld ragt der auf der höchsten Stelle der mittelalterlichen Befestigung stehende altehrwürdige St. Gangolfsturm empor. Er ist das Wahrzeichen des Hollfelder Landes und man erblickt ihn schon aus stundenweiter Entfernung. 38 Meter ist er hoch und die Treppen, die zu ihm hinaufführen, ergeben bei genauer Zählung die Ziffer 98. Dieser Tage bin ich wieder einmal hinaufgestiegen nach St. Gangolf, um mit dem dort oben hausenden Stadttürmer Zwiesprache zu halten. Anton Gardill heißt der Mann, der als die höchste Persönlichkeit nicht nur in Hollfeld, sondern im Hollfelder Land gilt, denn keiner hat seinen Wohnsitz so hoch droben aufgeschlagen wie er. Die höchste Persönlichkeit und die niedrigste Bezahlung meint er etwas resigniert, als ich mich anschicke, ihn um diesen luftigen freien Aufenthalt zu beneiden. Es ist freilich nicht viel, was die Stadt für den Posten eines Stadttürmers ausgeben kann, bei freier Wohnung, freiem Licht und Überlassung von 1,30 Tagwerk Feld und Gemüsegarten. Aber der junge Mann, der diesen Posten versieht, ist zufrieden und das ist die Hauptsache. Die schöne Aussicht, die man von der hölzernen Galerie des Turmes nach allen Himmelsrichtungen hat, die ist ja auch etwas wert. Früher, als der Posten des Stadttürmers zu Hollfeld noch eine wichtige Angelegenheit war, da hatte freilich der Hüter des Turmes ein ganz schönes Einkommen. Aus einer im Stadtarchiv aufbewahrten Rechnung vom Jahre 1846 geht hervor, dass sein jährliches Einkommen brutto 146 Gulden betrug. Diese Summe setzte sich aus einer ganzen Reihe kleiner Posten zusammen: an ständigem Gehalt bekam der Türmer aus der Gemeindekasse in barem Geld nur 28,50 fl., alles übrige erhielt er in Form von Stiftungsgeldern und Naturalbezügen. Die Gemeinde lieferte ihm z.B. 13 bayerische Metzen Korn im Wert von 16 fl., vier Klafter weiches Holz zu je 5 fl., vier Schock Reißholz zu je 2 fl. Auch bei Hochzeiten, Kindstaufen und Begräbnissen fielen für den Stadttürmer ein paar Gulden ab. Für das tägliche Läuten nachts um 10 Uhr erhielt er aus der Armenpflegschaftsstiftung jährlich 6 fl. und 15 kr. Die "Dienstwohnung" im Turm wurde ihm mit 5 Gulden angerechnet. Nach dem Abzug der gesamten Lasten schmolz das Diensteinkommen allerdings bös zusammen bis auf 40 Gulden und 10 Kreuzer, denn für die Haltung eines Turmgesellen und Lehrjungen mußte der Stadttürmer nicht weniger als 80 Gulden und für Anschaffung musikalischer Instrumente 6 Gulden ausgeben. Zu den Obliegenheiten des Turmwächters gehörten auch seine Mitwirkung bei allen musikalischen Gottesdiensten, die Besorgung der Kirchenmusik, das tägliche Richten der Turmuhr, das Signalgeben bei Feuersbrünsten, das dreimalige Gebetläuten im Tag. Außerdem mußte er alle Sonn- und Feiertag mit mehreren Personen auf dem Turm einige Stücke blasen. Entdeckte er außerhalb der Stadt im Amtsbezirk Hollfeld Feuerschein, dann mußte er mit dem im Turm angebrachten Doppelhaken zweimal schießen. Das abendliche Gebetläuten wird bekanntlich auf die Sage mit den drei verirrten Jungfrauen zurückgeführt; dafür erhält der Türmer jährlich 10,80 M, um 4,20 M weniger als der vorherige Türmer Rößner erhielt. Als Läutzeiten sind angesetzt: morgens 5 Uhr, vormittags ¾ 7 Uhr, mittags 12 Uhr, abends 8 Uhr und nachts 10 Uhr. Wenn dem Türmer die Zeit lang wird, dann kann er auf dem 60 cm breiten hölzernen Umgang, der sich um alle vier Seiten des oberen Geschosses zieht, spazierengehen. Schön ist von da der Tiefblick auf das Städtlein, hinunter auf die "Türkei", jenen Teil der Stadt, der im Schwedenkrieg vom Feuer verschont geblieben ist, hinüber zum hochragenden Kaupers-Kreuz am Keller, von dessen Felsenspitze ein ausgerissener Ochse heruntersprang, ohne Schaden zu nehmen.... Am nördlichen Horizont sieht man den Turm der Burg Zwernitz in Sanspareil und in westlicher Richtung schweift der Blick hinein in die wilde Felsenlandschaft des oberen Wiesenttales um Weiher und Freienfels, dessen rotes Schloßdach aus den dunklen Wäldern schaut. In der einen Ecke der Galerie bemerkt man noch die Eisenringe, mit denen früher der Hinterlader angeschmiedet war; dieses Schieß- und Lärminstrument befindet sich seit 1935 im Rathause. Den Strick, der an der Nordwestecke des Turmes baumelt, braucht der Türmer zum Heraufziehen des Wassereimers. Mit dem Platz muß der Türmer und seine aus drei Köpfen bestehende Familie hier oben schon sehr sparsam umgehen, denn seine Turmwohnung besteht nur aus einem Zimmerchen, einer winzig kleinen Küche und dem unvermeidlichen heimlichen Gemach... Im Winter pfeift der kalte Jurawind oft höllisch um die Turmspitze, so daß es kein Wunder ist, wenn die Mauerritzen des Umganges mit Holzwolle verstopft sind. Der Turm beherbergt auch 2 Glocken (darunter eine aus dem Jahr 1602) und eine alte Uhr. Die unter dem Turmhelm hervortretende Holzgalerie wurde im 16. Jahrhundert angebaut. Turm und Kirche zu St. Gangolf gehörten früher zur Propstei, zum Stift St. Gangolf in Bamberg und sind heute noch Eigentum des Erzbischöfl. Ordinariats, das Turm und Kirche der Stadt Hollfeld für profane Zwecke zur Verfügung gestellt hat. Von der Absicht, im ehemaligen Langhaus ein Heimatmuseum einzurichten, ist man mit Rücksicht auf das inzwischen entstandene Heimatmuseum in Ebermannstadt wieder abgekommen. August Sieghardt " "Der letzte seines Standes" in Hollfeld, Michael Seidler, war seit 1950 Türmer. Mit Beschluß des Stadtrates vom 14. Juli 1950 wurde aus vier Bewerbern in geheimer Abstimmung dem Zimmermann Michael Seidler die Wohnung auf dem Gangolfsturm zugesprochen: "Da in Kürze auf dem Gangolfsturm die Glocke wieder angebracht wird, hat der Bewohner des Gangolfsturmes das Läuten zu übernehmen. Zu läuten ist: das Morgen- und Abendgebet, mittags 12 Uhr, Zusammenschlagen zu den Gottesdiensten. Außerdem ist täglich abends 21.45 Uhr bis 22 (vgl. Irrglöckchen) zu läuten. Als Vergütung erhält Seidler freie Wohnung. Licht- und Wassergeld hat er selbst zu bezahlen. Ab 1951 erhält Seidler außerdem noch die Dienstheide zur Bearbeitung, da diese jedoch bis 31.12.51 verpachtet ist, erhält er für das Jahr 1951 den Pacht. Die Wohnung wird von der Stadt instandgesetzt. Bei einem evtl. Auszug muß die Wohnung so verlassen werden, wie sie bezogen wurde. Kleinere Instandsetzungen und Reparaturen müssen vom Türmer selbst vorgenommen werden, das hierzu notwendige Material wird von der Stadt gestellt." Seidler zog mit seiner 5köpfigen Familie (Ehefrau, 2 Söhne, 1 Tochter) in den Turm. Sehr gewissenhaft übte er das Amt des Läutens aus; die Hollfelder konnten ihre Uhren danach stellen. Für den weiteren Unterhalt der Familie war Herr Seidler später zusätzlich bei der Baufirma Wunder in Hollfeld beschäftigt. Auch zur Zeit der Türmerfamilie Seidler wurden die Dinge des täglichen Lebens wie eh und je verrichtet. So mußten Holz und Wasser per Flaschenzug hochgezogen werden. Frau Walburga Kliem (Tochter), die heute am Kirchplatz 5 in Hollfeld lebt, kann noch lebhaft berichten: Wer den Turm aus irgendwelchen Gründen verlassen hat, hat den Eimer mit Wasser gefüllt und bei der Rückkehr wieder nach oben gezogen. Schlecht war es z.B. wenn die Mutter beim Einkauf etwas vergessen hatte, denn dann mußte der ganze Ab- und Aufstieg nochmals erfolgen. Freunde waren gerne zu Besuch, denn man konnte im "Treppenhaus" oder im Kirchendach so herrlich spielen. Weniger schön waren die beengten Wohnverhältnisse, so waren wir Kinder in winzigen Zimmern untergebracht. Der ältere der Brüder hatte bis zu seinem Wegzug einen eigenen Schlafraum. Wir beiden anderen Kinder wohnten zusammen. Für die Eltern war der Wohnraum mit einem Bretterverschlag abgeteilt, hinter dem gerade noch die Betten und ein Nachttisch Platz fanden. Es war halt alles recht einfach aber trotzdem war es schön. Das letzte von uns Kindern verließ 1964 den Gangolfsturm. Michael Seidler verstarb in der Türmerwohnung, nachdem er über 20 Jahre dort gelebt hatte und seinen Dienst versah, im Alter von 61 Jahren am 30. Dezember 1971. Seine Ehefrau Barbara zog daraufhin zur zwischenzeitlich verheirateten Tochter Walburga in die Langgasse 19 in Hollfeld. Barbara Seidler ist im Jahr 1989 verstorben. Die Kinder Barbara Kliem und Alfred Seidler wohnen noch in Hollfeld. Der Sohn Ludwig Seidler in Bamberg. Seit 1972 steht die Türmerwohnung leer. Vom Auszug von Frau Seidler bis zur Sanierung des Turmes im Jahr 1975 wurde auch die Glocke nicht mehr geläutet. Erst das Anbringen einer Turmuhr mit elektrischer Läuteanlage ermöglichte es, der neuen Zeit entsprechend im Viertelstundentakt zu schlagen und auch das Läuten des "Irrglöckchens" wieder zu beleben..... ein schöner Brauch.
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