Kunst- und Kulturzentrum
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Noch heute hört man täglich abends um ¾ 10 Uhr das Glöcklein von Sankt Gangolf über die Dächer der Stadt bis ins Hollfelder Land hinein. Dies hat eine besondere Bewandtnis: Das Irrglöcklein von St. Gangolf zu Hollfeld"In lang vergangenen Zeiten, als die Gegend um Hollfeld noch dichtes Waldgebiet war, machten drei Schwestern, Töchter des dortigen Schloßherrn, einen Ausflug in den kainachaufwärts gelegenen Forst. Bald ließen sie den sicheren Pfad zur Seite und drangen tiefer in den Wald ein. Viel Neues gab es hier zu sehen und zu beobachten. Kein Wunder, dass die Mädchen jegliches Gefühl für Richtung und Zeit verloren und bald in angstvollem Drang nur noch vorwärts hasteten. Inzwischen aber hatte sich der Himmel mit dunkelgrauen Gewitterwolken über und über bezogen, und in der Ferne rollten dumpfe Donner. Jetzt erst dachten die Erschrockenen an den Weg und an daheim, aber mit jedem Schritt irrten sie nur tiefer in den Wald. Schon bald entlud sich eines jener gefürchteten Gewitter, die im Jura so rasch und oft unversehens kommen. Die drei Mädchen kauerten, eng aneinandergeschmiegt, , am Boden und meinten, ihr letztes Stündlein sei gekommen. Endlich verzog sich das Unwetter. Die Verirrten suchten nach Weg und Steg, doch vergeblich. Ungehört verhallten all ihre Hilferufe. Als die Nacht hereingebrochen war und am Himmel die ersten Sterne aufleuchteten, flehten die Mädchen in ihrer Seelenangst Gott um Errettung aus so großer Not an. Während die Armen noch beteten, vernahmen sie, einer Stimme vom Himmel gleich, die leisen, halb verwehten Töne eines fernen Glöckleins. Rasch folgten sie dem fernen Klang. Nach geraumer Zeit drangen aus der Richtung, der sie zustrebten auch menschliche Stimmen an ihr Ohr. Bald hörten sie aus den verschiedenen Zurufen ihre Namen heraus. Ihr Vater war mit den Knechten ausgezogen, die Verirrten zu suchen. Freudig führte er die Wiedergefundenen nach Hause. Aus Dankbarkeit für die Errettung der Kinder stiftete der Schloßherr und seine Gemahlin für den Turm der Gangolfskirche ein Glöcklein. Diese später vom Volk als Irrglöckchen bezeichnete Glocke sollte verirrte Wanderer zur Nachtzeit wieder auf den rechten Weg führen. " Sagen: Sie berichten über auffällige oder merkwürdige Vorkommnisse
und Begebenheiten aus der Vergangenheit, die dem Volk, den Menschen einer bestimmten
Region, Landschaft oder eines Ortes überliefert sind und häufig über Generationen
weitererzählt oder schriftlich weiterberichtet wurden. Hierzu auch ein interessanter Bericht des am 29.12.1996
verstorbenen Kurat Adalbert Hollfelder in den "Hollfelder Blättern", Heft 2,
vom 1. Juni 1993: Nach Ansicht der Experten aus der Literatur: Prof. H.B. Gerl (1992), Dr. L. Küfner (1992), Dr. Weitnauer (1965), Prof. J. Moreau (1958) handelt es sich bei den 3 Geheimnisvollen um die Keltische Trias (Dreiheit), die 3 Ewigen, die 3 Bethen, auch Matronen genannt, wie z.B. in Worms wo sie sogar freundlich lächelnd auf einem Scheingrab dargestellt sind. Die 3 Bethen führen gewöhnlich die Namen Ainbeth, Borbet und Firbet (oder auch ähnlich). Dabei nehmen die Fachleute an, dass es sich um die von den Kelten hochverehrten 3 Naturmächte Erde (Ainbet), Sonne (Borbet) und Mond (Firbet) handelt. Die Fassung der heutigen Sage wird wohl aus dem Mittelalter stammen. Durch die noch immer bestehende Installation des "Irrglöckchens" wird der uralte Wurzelgrund dieser bekannten Sage bis in die heutige Zeit lebendig gehalten. Bereits seit rd. 300 Jahren wird das Läuten des Irrglöckchens auf dem Gangolfsturm erwähnt.
Quellenangabe:
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