Kunst- und Kulturzentrum
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St. Gangolf, die geschichtliche EntwicklungZwischen 1057 und 1059 gründete Reginold II, ein Mitglied der edelfreien Walpoten, eines der ältesten Adelsgeschlechter Frankens, zusammen mit Bischof Gunther von Bamberg das Kanonikerstift St. Maria und St. Gangolf in der Theuerstadt zu Bamberg. Eines der Zentren des Gangolfer Besitzes auf der Alb war nach den Güterverzeichnissen Hollfeld mit seinem Umland. Wirtschafts- und Verwaltungsmittelpunkt in Hollfeld war der Gangolfer Propsthof mit seinem Flurbesitz über die ganze Gemarkung. Die Gangolfer Lehensleute saßen auf Stiftsgütern sowohl in der Unter- wie in der Oberstadt von Hollfeld. Die Geschlossenheit dieses Gangolfer Besitzes lässt den Bischof als Stadt- und Gerichtsherren in einer nominellen Oberherrschaft erscheinen. Diese Tatsache hat man darauf zurückgeführt, dass eben Hollfeld dem Stift St. Gangolf von der Familie der Walpoten als Ausstattungsgut im Sinne eienr frommen Stiftung aus ihrem Eigentum übertragen worden sei. Das St. Gangolfstift hatte dem Urkundenbestand nach in und um Hollfeld den meisten Lehenbesitz. Die noch erhaltenen Lehnbücher (Standartbücher) existieren seit 1417 bis 1803. Es sind 125 Bände mit Urkunden, die bis vor 1360 zurückreichen. (Das älteste Lehnbuch 1417 - 1432 wurde im Jahr 1996 von Caroline Göldel bearbeitet.) Die St. Gangolfskirche war einst Teil der Burganlage des oberen Mauerrings. Auf
die ursprünglich romanischen Kirche, 11 - 12. Jh., geht die aus Feldsteinen gebaute Apsis
mit dem anschließenden Mauerwerk zurück. In der Zeit des 12. - 15. Jahrhunderts erlebte
das Gebäude einen gotischen Umbau (Spitzbogentür). Einer aus dem Jahr 1583 stammenden
Urkunde ist zu entnehmen, dass der zur Propstei gehörende Hof in der "Langengassen
gelegen" an Lorenz Kaupper und dessen Frau Margarete verkauft wurde. Der Erlös von
400 Gulden sollte dazu verwendet werden, die St. Gangolfskirche und das Probsteihaus in
der oberen Stadt wieder aufzubauen. Beide Gebäude waren in den kriegerischen
Auseinandersetzungen mit dem Markgrafen Albrecht Alcibiades 1553 niedergebrannt worden.
Aus dieser Zeit stammen Langhaus und Turm mit tonnengewölbter Halle und Rundbogentür. Duch den großen Stadtbrand von 1724, bei dem die gesamte obere und teilweise auch die untere Stadt abbrannten, wurde auch die Gangolfskirche stark beschädigt. Da nach dieser Zeit sicher nur bescheidene Mittel zur Verfügung standen, waren die Reparaturen nur sehr mangelhaft, so wurden die vorhandenen Fenster durch Zumauern verkleinert. Das Holz- Kranzgesims erfuhr ebenso zwischen 1724 und 1750 seinen heutigen Aufbau. Nach der Säkularisation 1803 nahm der Staat die kirchlichen Güter an sich und die Gangolfskirche wurde in ein Heumagazin umfunktioniert. Im Jahre 1826 kam das Gebäude wieder in den Besitz der Stadt und wurde für Gottesdienste verwendet. Noch bis 1936 wurde die Gangolfskirche als Gotteshaus genutzt. Durch eine
Vereinbarung zwischen der Stadt Hollfeld und dem Erzbischöflichen Oridinariat wurde St.
Gangolf während des 2. Weltkrieges für weltliche Zwecke überlassen. Die Planungen des
Stadtrates gingen dahin, im Gangolf ein Heimatmuseum unterzubringen. Dieses Vorhaben wurde
jedoch 1937 wieder verworfen, nachdem zwischenzeitlich in Ebermannstadt ein derartiges
Museum entstanden war. Nachdem die evangelische Kirchengemeinde Hollfeld kein eigenes Gotteshaus besaß, wurde ihr im jahre 1946 von der Stadt die leerstehende St. Gangolfskirche als Gottesraum zur Verfügung gestellt. Wonseeser Bauern stiften Bretter für einfache Bänke, ein Tisch wurde als Altar hergerichtet; ein Pult als Kanzel. Der Nürnberger Bildhauer Hochgesang fertigte ein drei Meter hohes Holzkreuz sowie einen Taufstein. In den 60iger Jahren wurde in der ev. Kirchengemeinde der Ruf nach einem eigenen Gotteshaus laut. Zunächst dachte man hierbei an einen Erwerb der St. Gangolfskirche. Diesem Plan wurde jedoch seitens der Stadt Hollfeld nicht zugestimmt, nachdem es sich bei St. Gangolf um das Wahrzeichen der Stadt handelt. Somit erwarb ein eigens gegründeter Kirchenbauverein ein Grundstück und baute darauf die Evang. Friedenskirche Hollfeld, die am 16. Juni 1968 eingeweiht wurde. Als man in den Jahren 1974/75 Überlegungen anstellte, das dringend sanierungsbedürftige und stark vernachlässigte Gangolfsgebäude wieder einer Nutzung zuzuführen, war der Turm unverputzt, was auf eine mangelde Baupflege der letzten 100 Jahre zurückgeführt wurde. Befunduntersuchungen durch Dipl. Malermeister Günther Hofmann im Jahr 1975 erbrachten bis zu 5 frühere Putzschichten. Wie die vielen festgestellten Schichten beweisen, wurde das Mauerwerk immer wieder verputzt, um es mehr oder weniger gut zu schützen. Die älteste Schicht dürfte um 1600 aufgetragen worden sein, als etwa der Zeit des 30jährigen Krieges. Eine letzte Dokumentation findet sich in einer eingekratzten Putz-Bauinschrift - P. Wunder 1911 und Kühlwein. Der bedeutendste Fund der Untersuchung aber waren Reste einer "farbenprächtigen grau-rot Eckbemalung" die als historisch großartig anzusehen ist. Diese diente als Grundlage für die Renovierungsarbeiten am Turm, die in den Jahren 1975/76 erfolgten. Auch die Treppenanlage und der Bereich des Wehrganges wurden instandgesetzt bzw. teilweise erneuert. Eine neue Uhrenanlage wurde installiert sowie verschiedene Dachdeckerarbeiten ausgeführt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rd. 105.000 DM. Die geplante Restaurierung des Kirchenschiffes wurde zunächst - vermutlich auch
wegen des Fehlens einer entsprechenden Nutzung - zurückgestellt. Erst im Jahre 1992 wurde
das Gebäude "wiederbelebt". Der Bildhauer und Lehrer Wolfgang Pietschamnn
suchte für die seit 1979 alljährlich an zwei Wochenenden im Jahr durchgeführte
"Hollfelder Kunstausstellung" weitere Räume für Exponate. Hierzu wurde St.
Gangolf von den inzwischen für ein Heimatmuseum eingelagerten Exponaten (teilweise in der
Museumsscheune ausgestellt) befreit und mit einfachen Mitteln in die Kunstausstellung
einbezogen. Auch die erste Aufführung des Ritter Unkenstein durch die von Wolfgang
Pietschmann und den Schauspieler Jan Burdinski gegründete Gangolfbühne fand am 10. Juni
1994 im Gangolf statt. Hieraus erwuchs der Wunsch, das Gebäude künftig einer breiten
Öffentlichkeit auf dem Gebiet von Kunst und Kultur zur Verfügung zu stellen. 1998 nutzte die Stadt Hollfeld den Besuch des Bayerischen Ministerpräsidenten
Dr. Edmund Stoiber, ihn auf den geplanten Umbau der Gangolfskirche mit einem Kostenaufwand
von rund 1,9 Mio. DM aufmerksam zu machen. Der Ministerpräsident signalisierte
Unterstützung und machte es sich, während er sich in das Goldene Buch der Stadt
einschrieb im Sessel des Ritters "Unkenstein" (Gangolfbühne) bequem.
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