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Erasmus Neustetter, genannt Stürmer (1523 –1594) – ein großer Sohn des Hollfelder Landes

Ein bedeutendes Kunstwerk der Renaissance ist das Epitaph (Grabschrift) des Erasmus Neustetter, genannt "Stürmer".

Das Epitaph hat bei der Profanierung der St. Gangolfskirche in der Nazizeit seinen Ehrenplatz auf der rechten Seite des Langhauses vor dem Chor verloren und wurde auch nach dem Krieg auf dem Dachboden der Kirche belassen. Hier wurde es nur hin und wieder von einem Heimatforscher oder Kunstkenner, der von seinem Vorhandensein wußte, abgestaubt und bewundert.

Das sollte Mitte 1967 anders werden: Bürgermeister und Stadträte haben dem Ersuchen von Domkapitular Prälat Dr. Dr. Frhr. von Pölnitz, dem Direktor des Diözesanmuseums in Bamberg zugestimmt das Epitaph als Leihgabe dem Museum zur Verfügung zu stellen. Allerdings wurde die Bitte für zehn Jahre auf fünf Jahre beschränkt. Das bedeutende Kunstwerk sollte so –zumindest vorübergehend- einen würdigen Platz erhalten. Das Diözesanmuseum hatte auch eine Restaurierung zugesagt.

Es lohnt sich, dieses aus Solnhofer Kalkmarmor gefertigte Denkmal einer geschichtlichen Betrachtung zu unterziehen:
Das Relief hat keinerlei Inschrift und Jahreszahlen. Jedoch nicht weniger als neun Wappen weisen einwandfrei nach, dass die vor einem Kruzifix knieende Figur einen berühmten Sohn des Hollfelder Landes darstellt, den im nahen Schönfeld geborenen großen Rechtsgelehrten und Staatsmann, Humanisten und Dichter, den Domherrn Erasmus Neustetter, mit dem ehrenvollen Beinamen "Stürmer", Propst des adeligen Domherrnstifts Comburg bei Schwäbisch-Hall. Dieser wurde am 7. November 1525, im Jahre des Bauernkrieges, als Sohn des Ritters Sebastian von Neustetter und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene von Wolmershausen, in Schönfeld geboren und verstarb im 70. Lebensjahr als Rektor der Universität Würzburg, wo er auch im Kiliansdom sein Grab fand, das ebenfalls mit einem ähnlichen Marmor-epitaph geziert ist. Ein gleiches Denkmal findet sich in der Comburger Stiftskirche bei Schwäbisch-Hall. Gedenkbildnisse seiner Eltern sind noch heute in der Pfarrkirche Schönfeld vorhanden und Neustädtlein am Forst ist der Stammsitz derer von Neustetter.

Erasmus Neustetter wurden Denkmäler, von dem württembergischen Bildhauer Erhard Barg aus Schwäbisch-Gmünd geschaffen und bis heute in der Kunstwelt hoch geschätzt, seiner großen persönlichen Verdienste wegen, gesetzt. Er widmete sich vornehmlich der Pflege der Wissenschaft und Kunst. Er förderte das aus der romanischen Burg von Rothenburg-Comburg entstandene Benetiktinerkloster, schuf eine Akademie, bereicherte die Stiftsbibliothek, legte eine Kunstsammlung an, ließ die Klosterkirche restaurieren, hob den heute in ganz Deutschland bekannten vergrabenen Kronleuchter der Comburger Klosterkirche mit 412 Figuren und einem Durchmesser von fünf Metern wieder an das Tageslicht und schuf sich besondere Verdienste von 1581 bis 1591 als Rector magnificus der Universität Würzburg. Dort war er auch mehrmals als Bischof von Würzburg in Aussicht genommen. Sein bedeutendes Geschlecht, das sich auch bis nach Österreich und Ungarn hin verzweigte, stellte in zahlreichen Nachkommen bedeutende Vertreter des öffentlichen Lebens und ist bis heute nicht ausgestorben.

Der Stadtrat Hollfeld glaubte 1967 der geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung des Denkmals und der Erinnerung an den großen Sohn des Hollfelder Landes mit der Ausleihe an das Diözesanmuseum Bamberg trotz etlicher Bürgerproteste gerecht zu werden. Die Ausleihe sollte jedoch keinesfalls eine Preisgabe dieses wertvollen städtischen Eigentums bedeuten. Man hatte vielmehr die Absicht, dem Denkmal zu gegebener Zeit in der St. Gangolfskirche wieder seinen angestammten Ehrenplatz zukommen zu lassen.

Seitdem sind nunmehr 33 Jahre vergangen. Jetzt endlich, im Zuge der Renovierung der Gangolfskirche, schien der Weg einer Rückführung geebnet zu sein. Nachdem das Epitaph im Keller des Diözesanmuseums lagerte, wurde von dort durch Frau Oberkonservatorin Dr. Renate Baumgärtl signalisiert, dass einer Rückgabe nichts im Wege stehe. Die veranlaßte Besichtigung erbrachte vor Wiederaufstellung die Notwendigkeit einer Restaurierung. Hierzu wurden von der Stadt Hollfeld im November 2000 Angebote eingeholt. Den Auftrag für die Reinigung, Schließung von Rissen und letztendliche Versetzung in die Gangolfskirche wurde durch den Stadtrat der Firma Monolith, Bildhauerei und Steinrestauration in Bamberg, übertragen.

Nun erstrahlt das Epitaph im Langhaus hinten links vor der Empore im neuen Glanz.

Epitaph Das Renaissance-Epitaph ist aus weißgrauem Marmor gearbeitet und bildhauerisch von sehr hoher Qualität. Es ist aus einer Vielzahl von Einzelteilen zusammengesetzt.

In der Mitte zeigt es den Stifter Erasmus Neustetter, knieend betend vor einem Kruzifix, links die väterlichen Wappen von Neustetter, von Truppach, von Streitberg und Aufseß sowie rechts die Ahnenwappen der Mutter von Wollmershausen, von Giech, von Stierbar und von Adolzheim. Das obere Wappen stellt einen Sturmhaken dar und konnte als das der ältesten fränkischen Adelsfamilie von Neustetter identifiziert werden. Im oberen Aufsatz ist die Auferstehung Christi dargestellt, umrahmt von filigranen Figürchen und Ornamenten.

Quellenangabe:
Auszüge aus Zeitungsartikeln
Nordbayerischer Kurier 23.08.1971 u.a.Hollfelds Sehenswürdigkeiten

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