Die Baugeschichte der St. Gangolfkirche
Ein Bericht über den baulichen Ablauf der Renovierung und den Umbau zu einem
Kulturzentrum
Lang ist der Weg, der zu dem Ergebnis geführt hat, dass am 24. Mai 2001 die
renovierte St. Gangolfskirche der Hollfelder Bevölkerung übergeben werden kann. Seit dem
Auszug der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Hollfeld aus der Kirche im Jahre 1968 haben sich
die politisch Verantwortlichen in Hollfeld Gedanken gemacht, wie man diesem Bauwerk wieder
Leben einflößen und wie man eine dauerhafte Nutzung für das Gebäude schaffen kann.
Am 23. Februar 1974 befasste sich der Stadtrat der Stadt Hollfeld erstmals
mit dem Thema "Renovierung und Sanierung", es wurde ein Beschluss über das
Anbringen einer neuen Turmuhr gefasst. Bei ersten Untersuchungen und einer Begehung
stellte man dann fest, dass allein der Ersatz einer Turmuhr nicht ausreichend ist. Man
entdeckte viele Unzulänglichkeiten, insbesondere im Turmbereich, die doch den Gedanken
reifen ließen, hier eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme in Angriff zu nehmen, Die
ersten Gespräche mit zuständigen Behörden verliefen positiv und ermunterten den
damaligen Stadtrat sich weiter mit dieser Maßnahme "Instandsetzung der St.
Gangolfkirche" zu befassen.. Am 25. Mai 1975 hat der damalige Stadtrat den Auftrag an
mich als den Architekten erteilt, eine Planung dafür zu erstellen.
Zunächst sollte eine Bestandsaufnahme gemacht werden, verbunden mit
entsprechenden Befunduntersuchungen und anschließend ein Nutzungsvorschlag zusammen mit
einem Sanierungskonzept für das Objekt und gleichzeitige Ermittlung entsprechender
Kosten. Da bereits vor Auftragserteilung entsprechende Leistungen im Vorfeld erbracht
waren, konnte umgehend eine Firma beauftragt werden, den Turm einzurüsten. Dies fand am
12. Juni 1975 statt, der Weg zu detaillierten Untersuchungen und zu zahlreichen Aufnahmen
war gegeben.

Aufgrund sensationeller Befundergebnisse wurde der Turm dann nicht in seiner
ursprünglichen Form renoviert, sondern vielmehr wurde eine mittelalterliche Form der
Gestaltung gewählt. Der gesamte Turm wurde verputzt und mit einer Bemalung versehen, so
wie ihn jeder Hollfelder und jeder Gast heute kennt. Die Flächen wurden weiß, die
Eckbereiche wurden gequadert mit in wechselseitiger Form und Farbe aufgezeichneten
Rechtecken in rot und grau. Diese Bemalung sollte fehlende Natursteinquaderungen
vortäuschen.
Umfangreiche Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten mussten u.a. an dem hölzernen
Wehrumgang des Turmes durchgeführt werden. Hier waren Eichenbalken total verfault, so
dass eine Begehung nur mit großen Risiken möglich war.
Bei der damaligen Sanierung wurden sowohl die Eingangstür im Turmbereich erneuert, als
auch der Treppenaufgang in den Turm und die dazugehörige Wendeltreppe.
Das erarbeitete Konzept sah Kosten von 700 - 800 TDM vor und sollte eine neutrale
Nutzung für diese Kirche schaffen. Da zu damaliger Zeit die staatlichen Zuschüsse nicht
in ausreichendem Maße zur Verfügung standen, hat sich der Stadtrat entschlossen, nur die
Turmsanierung durchzuführen und die weitern Maßnahmen "auf Eis" zu legen.
Erneuert wurde damals das gesamte Turmuhrensystem einschl. des Einbaues eines
automatischen Läutwerkes für das "Irrglöckchen". Erneuert und vergoldet
wurden auch die 3 Zifferblätter.
Dann hat das Bauwerk eine lange ungenutzte Phase durchgemacht. In der
Übergangszeit von Gebiets- und Landkreisreform in den Jahren 1972 - 1978 wurde der
Kirchenraum zur Lagerung vieler Güter verwendet, die aus den einzelnen Ortsteilen, die zu
Hollfeld gekommen sind, zusammengetragen wurden.
Der Turm in neuer Gestaltung wurde zwar zum schönen sichtbaren Wahrzeichen, was er auch
vorher war, aber jetzt in leuchtenden Farben.
Diese Gestaltung fand vielfache Anerkennung und wurde auch als häufiges Fotomotiv in
Kalendern, Büchern und anderen wichtigen Publikationen verwendet. Nachdem die Stadt
Hollfeld sich am 30.07.1985 dazu entschieden hatte, einen Antrag auf Aufnahme in das
Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm zu stellen, nahm der Wunsch zu, auch die St.
Gangolfkirche wieder in das städtische Leben einzubeziehen. Solange jedoch keine
entsprechende sinnvolle Nutzung für das Gebäude bestand und die Stadt Hollfeld ohnehin
andere wichtige bauliche Aufgaben zu erfüllen hatte, führte die St. Gangolfkirche einen
gewissen "Dornröschenschlaf", d.h. die begonnene Baumaßnahme musste ruhen.
Den Aktivitäten von Wolfgang Pietschmann, dem Initiator und auch Bestreiter der
alljährlichen Kunstausstellung im Sommer ist es wohl zu verdanken, dass hier der
Kirchenraum wieder in das städtische Geschehen einbezogen wurde. Alljährlich konnte man
wieder während der Kunstausstellungen das Gebäude besichtigen und bewundern.
Der bauliche Zustand hat sich jedoch von Jahr zu Jahr verschlechtert, der
Innenraum war nicht besonders ansehnlich und hatte auch einen unangenehmen Geruch, der
sich aufgrund starker Durchfeuchtungen und weniger Be- und Entlüftungen eingestellt
hatte. Der Kirchenraum war wenig einladend.
Der eingentliche Durchbruch zu ernsthaften Überlegungen über die Fortführung
entsprechender Sanierungsmaßnahmen erfolgte durch die Gangolfbühne Hollfeld, dem
Theatersommer. Jan Burdinski ist es zu verdanken, dass plötzlich Bewegung in die
Initiative kam, die eine Revitalisierung dieses Gebäudes seit Jahren geplant und verlangt
hat.
Im August 1997 hat der Stadtrat der Stadt Hollfeld beschlossen, die Sanierung der St.
Gangolfkirche weiter durchzuführen. In der Sitzung des Stadtrates am 14.10.1997 wurde
Architekt Staudt beauftragt, ein entsprechendes Konzept zur Sanierung der St.
Gangolfkirche zu erarbeiten. Diese Arbeit sollte die Basis für Gespräche mit der Stadt
Hollfeld, mit den möglichen Nutzern und auch mit den möglichen Geldgebern sein.
Im Juni 1998 konnte der Architelt dem Stadtrat der Stadt Hollfeld einen
Vorentwurf vorlegen, der intensiv besprochen und diskutiert wurde. Kern des Entwurfes war
die Nutzung des Kirchenraumes als "Multifunktionsfläche" für kulturelle
Veranstaltungen. Dabei waren sowohl die Nutzung für den Theatersommer, für die
alljährliche Kunstausstellung, für Konzerte, für Liederabende und auch für allgemeine
Veranstaltungen der Stadt Hollfeld angedacht worden. Bekannt war, dass das Gebäude
aufgrund denkmalgeschützter Bedürfnisse nur unwesentlich verändert werden durfte und
das Gebäude als besonderes Baudenkmal zu erhalten war.
Nachdem entsprechende Infrastrukturmaßnahmen für die Nutzung erforderlich wurden, wie
z.B. Toilettenanlagen, eine Heizung u.a. musste eine Lösung gefunden werden, die hier die
dauerhafte und uneingeschränkte Nutzung des Gebäudes möglich macht. Der Einbau
derartiger Maßnahmen in das Gebäude war auch technischen und denkmalpflegerischen
Gesichtspunkten nicht möglich. Deshalb entstand das planerische Konzept, diese
Einrichtungen an das ehemalige Rathaus, jetzt Stadtbücherei , anzugliedern.
In dem vorhandenen Nebengebäude war die Unterbringung der Heizung und auch ein
entsprechendes Stuhl- und Kulissenlager möglich. Ein kleinerer Erweiterungsanbau wurde
geplant, in dem Toilettenanlagen einzurichten waren. Dieses Konzept wurde dann auch
beibehalten und in die Tat umgesetzt.
Bei der Gestaltung der Kirche selbst gab es umfassende Diskussionen über die
Schaffung entsprechender Zugangsmöglichkeiten und die Errichtung eines Foyers. Im Rahmen
der Vorlage des entsprechenden Konzepts im April 1999 wurde der Glasanbau auf der
Nordseite vorgestellt, er fand mit wenigen Abänderungen die Zustimmung des Stadtrates und
aller anderen am Baugeschehen Beteiligten.
Nach Zustimmung des endgültigen Konzeptes im April 1999 konnten die notwendigen
Planungsunterlagen zusammengestellt werden, um danmit die erforderliche Baugenehmigung
einerseits und andererseits auch die potentiellen Geldgeber zu erreichen, im Wesentlichen
die Regierung von Oberfranken, um hier eine Finanzierung anzugehen. Die Planungsunterlagen
wurden durch eine umfangreiche Befunduntersuchung, erstellt durch den Stadtheimatpfleger
Günther Hofmann, unterstützt.
Sehr schnell fand man die Zustimmung der wichtigsten Genehmigungsbehörden, wie
dem Landratsamt Bayreuth und dem Landesamt für Denkmalpflege in Seehof. Das Konzept fand
aber auch die Zustimmung und Unterstützung bei den möglichen Betreibern und auch bei den
vielen Sponsoren und Gönnern der Gangolfbühne wie auch der Kunstausstellung.
So war es möglich, mit Unterstützung des MdB Hartmut Koschyk, dem Vorsitzenden des
Theatersommers, eine historische Runde bei der Regierung von Oberfranken unter Leitung des
Regierungspräsidenten Hans Angerer zu erreichen. Bei dieser denkwürdigen Veranstaltung
am 07. Mai 1999 in der Regierung von Oberfranken in Bayreuth konnte das Finanzierungspaket
geschnürt werden, das die Grundlage für die Baumaßnahme bildete.
Nach den Vorbereitungen für die Durchführung aller vorgesehenen Arbeiten, d.h.
der Schaffung eines Kulturraumes im Kirchenbereich, der Renovierung und Restaurierung des
gesamten Bauwerkes, einschließlich Schaffung eines Glasfoyers und die Errichtung von
Toilettenanlagen am alten Rathaus, verbunden mit geschätzten Konsten von rd. 1,9 Mio DM,
sollte noch im Jahre 1999 mit der Maßnahme begonnen werden.

Der für August 1999 vorgesehene Baubeginn musste allerdings verschoben werden,
da das Landesamt für Denkmalpflege darauf bestand, innerhalb der Kirche archäologisch
Grabungen durchzuführen.
Diese über 4 Monate dauernden Arbeiten förderten interessante Dinge zutage, haben
allerdings nicht die Vermutung der Archäologen bestätigt, dass Fundamente einer alten
Kirche aus der Zeit der Walpoten vorhanden sind. Gefunden wurden zahlreiche Grabstätten,
die in dem Befundbericht von Frau Rita Hannig beschrieben und dokumentiert sind.
Im Oktober 1999 wurden dann die Arbeiten im Bereich der Kirche aufgenommen.
Begonnen wurde mit der Sanierung des Dachstuhles über der Kirche, eine mühsame und
langwierige Maßnahme, die vieles Unerwartete zutage gefördert hat. Im Anschluss fand die
Sanierung des Kirchturmes statt, der ebenfalls viele Überraschungen brachte. Die Hölzer
waren teilweise derart schlecht und von der Witterung gezeichnet, dass zum Teil
Einsturzgefahr für Bauteile bestand. Aufgrund dessen mussten unter Einschaltung des
Statikers Störmsdörfer zahlreiche Bauteile ausgewechselt und erneuert werden. Die
Arbeiten kamen nur mühsam voran, erst im Frühjahr 2000 konnte so richtig mit der
vorgesehenen Sanierung begonnen werden. Es erfolgte die Trockenlegung der
Außenwände, das Einbringen des Fußbodens, die Ausbesserung der Dachflächen und deren
Ergänzung, das Anbringen von Dachrinne und deren Abflüsse, der Einbau von
Entwässerungssystemen, die Fundamentierung für den Foyeranbau.
Mehrfach musste während der Sanierungsmaßnahme die verantwortliche Kommission,
bestehend aus dem Vertreter der Regierung von Oberfranken, OBR Loewel, dem Vertreter den
Landratsamtes, KBM Munz, sowie dem Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und der
Stadt Hollfeld zusammengerufen werden, um über plötzlich auftretende Schwierigkeiten zu
beraten und um entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Tagtägliche Überraschungen und arbeitsbedingte Widrigkeiten, auch das Ausfallen
bestimmter Firmen, haben zu einer nicht vorgesehenen Verlängerung der Bauzeit geführt.
Entscheidene Impulse bei der Durchführung aller Arbeiten wurden stets von Stadtrat der
Stadt Hollfeld gegeben, im Besonderen von Bürgermeister Oskar Pirkelmann, dem
verantwortlichen Kreisbaumeister Munz und dem Vertreter des Landesamtes für
Denkmalpflege, Herrn Dr. Mertens.
Alle am Bau beteiligten Handwerder haben ebenfalls ihren persönlichen Ehrgeiz entwickelt,
dieses Bauwerk zu einem besonderen Schmuckstück der Stadt Hollfeld entstehen zu lassen.
Großes Engagement und Bereitschaft zur Mitwirkung haben auch die vorgesehenen Nutzer
eingebracht, allen voran Herr Burdinski und Herr Pietschmann. Sie haben mit vielen
Anregungen und Ideen dazu beigetragen, dass dieser Kultutrraum so geworden ist, wie er
jezt bestaunt werden kann.
Das mit viel Mühen, großem Einsatz und mit erheblichen Kosten restaurierte und
umgebaute Gebäude sollte vielfältig von Künstlern genutzt und häufig von Bürgern
besucht werden. Das Bauwerk besitzt alle technischen Einrichtungen, die es ermöglichen,
eine ganzjährige Nutzung zu haben.
Für die Baugeschichte ist wichtig festzuhalten, dass die Durchführung aller
Arbeiten ohne Unfälle und ohne Streitigkeiten abgewickelt werden konnte, auch der
vorgegebene Kostenrahmen wurde im Wesentlichen eingehalten.
Quelle: Festschrift Das Wahrzeichen der Stadt Hollfeld, Artikel Michael
Staudt, Architekt, März 2001
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